Wildkräuter sammeln – Superfood vor der Haustür

Wo und wie sammelt man am besten? Auf was muss ich dabei achten? Wie ist das schon wieder mit dem Fuchsbandwurm? Viele Fragen, die auftauchen, bevor man das erste Mal auf Wildkräuter-Pirsch geht…

Quelle: picture alliance / dpa

Das Sammler- und Jäger-Gen steckt in uns


Seit Anbeginn der Menschheit haben wir gesammelt. Essbare Früchte, Blätter, Samen und Wurzeln waren für unsere Vorfahren die Nahrungsgrundlage.

Mit der Industrialisierung und der wirtschaftlichen Entwicklung wurde es einfacher, sich mit Nahrungsmitteln einzudecken. Immer mehr Kulturpflanzen waren und sind auf dem Markt erhältlich. Das Sammeln von Wildpflanzen rückte dadurch immer mehr in den Hintergrund und das Wissen darüber in Vergessenheit.

Doch das "Sammler-Gen" ist in uns und ich möchte euch helfen, dieses wieder zu aktivieren.

In Zeiten, wo Themen wie Nahrungsergänzungsmittel, Superfood, Entschleunigung in aller Munde sind und Situationen wie die «Corona-Krise» uns zwingen, uns in unserem näheren Umfeld zu bewegen, ist es doch eine gute Gelegenheit, sich mit dem auseinander zu setzen, was vor unserer Haustür wächst.


Wo sammle ich am besten?

Wer einen Garten besitzt, kann sich gleich dort bedienen. Sie können die sogenannten «Unkräuter» im Gartenbeet oder Rasen für die Küche verwenden; Löwenzahn, Gänseblümchen, Vögelikraut, Brennnesseln und auch Veilchen und Stiefmütterchen sind wunderbare, essbare Wildkräuter.

Wer keinen eigenen Garten hat, findet die Kräuter auf Wiesen, Wald- und Wegrändern. Zu beachten ist dabei, dass das Sammeln an stark befahrenen Strassen, viel begangenen Wegen (insbesondere «Hunde-Spazierwege»), an Bahnstrecken und gespritzten und gedüngten Wiesen vermieden werden sollte. Auch Naturschutzgebiete sind tabu.

Sonst kann überall in der Natur gesammelt werden. Auf Privatgrundstücken und landwirtschaftlichen Kulturflächen bei den Besitzern nachfragen.

Was sammle ich und wie?


Wichtig! Sammeln Sie nur, was Sie eindeutig kennen!

Es ist zu Ihrer eigenen Sicherheit. Wenn Sie unsicher sind, verwenden Sie ein gutes Bestimmungsbuch (Siehe Hinweise), fragen Sie jemanden der sich auskennt oder besuchen Sie einen Kurs.


Sammeln Sie nur, was Sie gerade für den täglichen Gebrauch verwenden können. Achten Sie darauf, dass noch genügend Pflanzen stehen bleiben, damit der Fortbestand gesichert ist.


Zum Sammeln benötigen Sie ein Körbchen oder Stoffsäckchen und ein Messer oder eine Gartenschere. Plastiksäcke sind nicht ideal, da die Pflanzen zu schwitzen beginnen und die Aromen/Wirkstoffe zerstört werden.


Sammeln Sie an trockenen Tagen, idealerweise zwischen 10-15 Uhr. Dann sind die Pflanzen trocken vom Morgentau und die Aromen am kräftigsten. Sammeln Sie junge, zarte Pflanzenteile. Sie sind zart und weniger bitter als aus-gewachsene Pflanzen.








Wie ist das mit dem Fuchsbandwurm?

Der Fuchsbandwurm wird immer wieder im Zusammenhang mit dem Sammeln von Wildpflanzen und -Beeren erwähnt.

Die Wahrscheinlichkeit, sich mit dem Fuchsbandwurm über Wildpflanzen zu infizieren ist selten. Meist werden die Eier über Hund und Katze übertragen.

Folgende Massnahmen schützen vor dem Befall von Fuchsbandwurm:


  • Waschen Sie Beeren, Gemüse, Salat und Fallobst vor dem Verzehr gründlich.

  • Tiefgefrieren tötet die Fuchsbandwurmeier nicht ab. Bei gekochten Nahrungsmitteln besteht jedoch kein Risiko.

  • Hände nach intensivem Kontakt mit Erde oder Boden (z.B. Gartenarbeiten) waschen.

  • Mausende Hunde und Katzen regelmässig mit einem wirksamen Medikament gegen den Fuchsbandwurm behandeln.

  • Nach Kontakt mit Hunden Hände waschen (infizierte Hunde oder Hunde, die sich im Fuchskot wälzen, können Fuchsbandwurm-Eier auf dem Fell tragen).

  • Fuchskot im Garten mit umgestülptem Plastiksack einsammeln und mit dem Hauskehricht entsorgen (nicht auf den Kompost werfen oder vergraben).


Quelle: https://www.paras.uzh.ch/de/news/foxtapeworm.html


Und nun noch zur Pflanze dieser Woche...



Knoblauchgenuss ohne lästige «Fahne» danach?

Da kann ich die Knoblauchsrauke wärmstens empfehlen. Im Mittelalter war sie ein beliebtes Küchenkraut, ist jedoch Vergessenheit geraten. Ich hole sie aus dem Dornröschenschlaf und hoffe, Sie für diese vitaminstrotzende Pflanze begeistern zu können.

Junge Blätter der Knoblauchsrauke (Bild Alexandra Röösli)

Knoblauchsrauke (Allaria petiolata)

Die anspruchslose Pflanze wächst in Laubwäldern, in Hecken, an Wegrändern und auch im Garten. Die 2jährige Pflanze gehört zu den Kreuzblütler-Gewächsen wie z.B. auch der Senf, Kohl und Radieschen.

Die jungen, unteren Blätter sind nierenförmig und leicht gezähnt. Die Blätter am Stängel sind grösser, spitzer, herzförmig und stärker gezähnt.

Zerreibt man die Blätter, so entweicht (ähnlich dem Bärlauch) ein knoblauchartiger Geruch. Sie blüht von Ende April bis ca. Juli. Die Blüten sind weiss und wie bei allen Kreuzblütlern setzten sie sich aus vier Blütenblättern zusammen.

Nach der Blüte entwickeln sich Samenschoten mit schwarzen Samen. Diese können wie Senfsamen verwendet werden.


Was kann man sammeln und wie wirkt sie?

Die Blätter kann man bis zur Blütezeit sammeln. Danach entwickeln sie einen bitteren Geschmack. Die Blüten sind sehr dekorativ in Salaten. Sie Samen können als Gewürz verwendet werden wie Senfsamen.


Die Blätter enthalten sehr viel Vitamin C und ätherische Öle. Wie alle Kreuzblütler enthält die Knoblauchsrauke ausserdem Senfölglykoside, welche am scharfen Geschmack erkennbar sind.

Die Knoblauchsrauke wirkt stoffwechselanregend, entzündungshemmend und harntreibend. Sie eignet sich wie viele weitere Wildkräuter hervorragend für Frühjahrskuren.



Knoblauchsrauke in der Küche

Die Knoblauchsrauke verwendet man am besten ungekocht, da sie bei stärkerem Erhitzen seinen typischen Knoblauchgeschmack verliert.

Die frischen Blätter können klein geschnitten in Quarkdips, Saucen, in Smoothies oder als Pesto zum Würzen von fertigen Speisen verwendet werden.

Die ausgereiften Samen schmecken leicht scharf und können gemahlen als Pfeffer-Ersatz dienen.


Pesto mit Knoblauchsrauke

Ca. 100g Knoblauchsraukenblätter

3 Esslöffel Sonnenblumenkernen oder Kernenmischung

200 ml Olivenöl

Salz

Die Kerne in einer Bratpfanne ohne Fett leicht anrösten und auskühlen lassen.

Die gewaschenen und getrockneten Blätter zusammen mit den Kernen und dem Öl im Mixer fein pürieren. Mit Salz abschmecken und in Gläser abfüllen.

Das Pesto muss gut mit Öl abgedeckt sein, damit es gut haltbar bleibt. Im Kühlschrank ist es ca. 4 Wochen haltbar.



Knoblauchsrauken-Pesto (Bild Rita Röthlin)


Hinweise / Tipps


Hilfreiche Bücher zum Thema Sammeln:

Unsere essbaren Wildpflanzen

Rudi Beiser, Kosmos, ISBN 978-3-440-13605-8


Essbare Wildkräuter und ihre giftigen Doppelgänger

Eva-Maria Dreyer, Kosmos, ISBN 978-3-440-12623-3


Links zum Thema Fuchsbandwurm:

Bundesamt für Gesundheit

https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/krankheiten/krankheiten-im-ueberblick/echinokokkose.html


Universität Zürich / Institut für Parasitologie

https://www.paras.uzh.ch/de/news/foxtapeworm.html






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